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Maien und Schandmaien

Ein Maien, den man seiner Angebeteten "steckt", kann nicht groß und hoch genug sein, damit es auch alle sehen.

Meist wurden geschmückte Birken oder Fichten verwendet. Dagegen galten Weißtannen, Schwarzdorn und Erlen in manchen Gegenden als Zeichen der Verachtung.

Der Maien musste den ganzen Monat über am Platz bleiben, ein vorheriges Entfernen wäre einer Zurückweisung gleichgekommen.

Wenn der Baum ausschlug, dann nahm man es als Zeichen und sagte: " Bei der sich ebbes au net ganz sauber, do tut sich des Johr no ebbes."

Auch für die Honoratioren des Dorfes steckte man früher Maien: Schultes, Lehrer, Wirt - der ein Freibier zahlen mußte.

Mit unliebsamen Überraschungen mussten früher die weibliche Dorfbevölkerung rechnen. Hatte ein Mädchen einen etwas zweifelhaften Ruf, so erhielt sie einen Schandmaien, meist mit einem Besen am Gipfel.

Wer ein Mädchen bloßstellen wollte, stellte ihr Güllenfaßtrichter, Büschele oder Strohbutze unter das Fenster.

Spuren aus Sägemehl, Spreuer oder anderen Abfällen wurden von missgünstigen Mitbewerbern vom Haus des Mädchens zu den entsprechenden Burschen ausgelegt.

Da jeder diese Schandmaien so rasch wie möglich beseitigen wollte, gab es am 1. Mai viele Frühaufsteher. In aller Frühe entfernten sie verräterische Spuren oder spähten nach einer nachbarlichen Schande.

Der Schandmaien mit einem Besen am Gipfel wurde liederlichen Frauenzimmern gesteckt.

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